Projekte

Pilze im Dienste der Gesundheit

Innenhof

Als ich vor 10 Jahren begann, einen alten Bauernhof mit dem Ziel der Herstellung von Speise- und Nutzpilzen auszubauen, habe ich zunächst nach wissenschaftlichen Begleitern gesucht, die mein Projekt unterstützen könnten. Herr Dr. Albert Hofmann hat mir im Juli 1997 aus Burg in der Schweiz geschrieben, dass es ihm leider unmöglich ist, im Alter von 91 Jahren noch neue persönliche Verbindungen und Korrespondenzen aufzunehmen. Er hat mir für meine Pläne viel Erfolg gewünscht... Ich wünsche mir heute, dass sich die bisher erzielten Erfolge bei der Anwendung von Pilzen im medizinischen Bereich weiter fortsetzen. Die Natur wird uns stets Quelle und Inspiration für neue Möglichkeiten sein, Stoffe zu enträtseln und nutzbar zu machen – so, wie es Albert Hofmann zunächst mit dem Mutterkorn und später mit den "Götterpilzen" aus Mexiko getan hat.

Im Rahmen verschiedener Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die zum Teil vom Bundesministerium für Forschung und Technologie gefördert wurden, haben wir spezielle Pilzarten kultiviert und die daraus hergestellten Pilzpulver oder -extrakte für weitere Untersuchungen Forschungsinstituten, Universitäten oder Kosmetikherstellern zur Verfügung gestellt.

Die wesentliche Übersichtsarbeit, die auch in Europa zur Einführung des Begriffs "Mykotherapie" beigetragen hat, ist das zu empfehlende Werk von: HOBBS, C.: Medicinal Mushrooms: An Exploration of Tradition, Healing & Culture; Botanica Press, Summertown, Tennessee, 1986. Die jüngste Zusammenfassung, welche einen wissenschaftlichen Überblick über die Verwendung von Pilzen für medizinische Zwecke gibt, ist die Arbeit von: LINDEQUIST, U., NIEDERMEYER, T. H. J. & JüLICH, W.-D.: The Pharmacological Potential of Mushrooms; Evidence-based Compl. and Alt. Medicine Vol. 2 (3) 2005, pp. 285-299

Zunderschwamm - Fomes fomentarius Shii-take (Lentinula edodes) auf Birke

Auf der Grundlage unserer langjährigen Untersuchungen von medizinisch relevanten Pilzen ist es uns gelungen, einen Pilz zu selektieren, der hinsichtlich seiner Akkumulation von Vitamin D sensationelle Ergebnisse liefert. So erreicht ein Stamm von Lentinula edodes (Shii-take) Vitamin D-Gehalte, die sogar solche Werte, wie sie beispielsweise in fettreichen Seefischen (Aal, Sardine, Hering, Lachs) vorkommen, übertreffen. Die spezielle Aufgabe von Vitamin D besteht in der Regulation des Calcium-Phosphor-Stoffwechsels im Blut. Vitamin D ist für eine geregelte Verkalkung der Knochen, für einen gesunden Zahnaufbau sowie für die Ausbildung und Erhaltung der Muskelfunktionen (insbesondere im Alter) verantwortlich.

Weitere Informationen zum Thema Vitamin D (und deren Mangelerscheinungen) sind über die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (www.dge.de) zu erfahren.

Im Rahmen eigener Forschungsarbeiten haben wir aus Shii-take einen Produktionsstamm entwickelt, der auf der Grundlage von Buchenholz sowie eines hohen Bio-Getreide-Anteiles kultiviert wird. Aus den geernteten und getrockneten Pilzen wird ein Vitamin D enthaltendes Nahrungsergänzungsmittel hergestellt. Dieses Produkt ist als Nahrungsergänzungsmittel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Berlin (www.bvl.bund.de) registriert.

Zunderschwamm - Fomes fomentarius Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns mit der Kultivierung von Fomes fomentarius auf Holz-Substraten. Die Synonyme für diesen Pilz lauten: Amadou, Boletus igniarius, Chirurgen-Pilz, Echter Zunderschwamm, Fungus chirurgorum, Hokuchi-take, Polyporus fomentarius, Pyropolyporus fomentarius, Tsurigane-take, Zunderpilz. Die Fruchtkörper des Zunderschwamms enthalten Agaritinsäure, Fomentarsäure (eine Form der Bernsteinsäure), die Zuckerverbindungen Mannofructogalaktan und Glucuronoglucan sowie Agariolesin. Legt man ein Stück der Kruste vom Zunderschwamm in einen Tropfen Kalilauge, entsteht eine dunkel blutrote Lösung (Fomentariol), eine rasche Bestimmungsmethode für den Pilz in Zweifelsfällen. Die Lipidfraktion enthält Ergosterol (Vorstufe von Vitamin D), Fungisterol, Isoergosteron und Ergosta-7,22-dien-3-on. Der Zunderschwamm kann geringe Mengen von Prostaglandinen (Gewebshormone) aus Linolensäure und Arachidonsäure synthetisieren.

Bekannte Wirkungen aus der Volksheilkunde

In der Volksheilkunde erfolgte die Anwendung des Zunderschwamms durch Auflegen des "Zunderlappens"; als blutstillendes Mittel bei kleinen Wunden. Weiterhin wurde aus den trockenen Fruchtkörpern ein alkoholischer Extrakt, das Fomitin, gewonnen, der bei Blasenleiden, schmerzhaften Regelblutungen und Hämorrhoiden verwendet wurde. Die Indianer Nordamerikas haben den Zunderschwamm bei Rheumatismus eingesetzt, indem geklopfte und erweichte Zunderlappen auf entsprechende Körperstellen aufgelegt wurden.

In der TCM ist der Zunderschwamm seit langem bekannt. Er gilt als mild und leicht bitter im Geschmack und wurde vorwiegend gegen Magenverstimmung eingesetzt. In ausländischen Forschungsarbeiten wird der Zunderschwamm außerdem bei Speiseröhren-, Magen- und Gebärmutterkrebs empfohlen. In Japan schreibt man dem Zunderschwamm fiebersenkende und harntreibende Wirkung zu, außerdem soll er bei Augenentzündung, Erkältung, Lungentuberkulose oder Verstopfung wirken. Chinesische Wissenschaftler wiesen in Tierversuchen eine Hemmwirkung des Zunderschwamms gegen bösartige Geschwülste des Bindegewebes (Sarkoma 180) nach. Die Hemmungsrate erreichte 80 %. Japanische Wissenschaftler wiesen nach, dass ein Lignin aus dem Zunderschwamm das Wachstum des herpes-simplex-Virus hemmt. Außerdem wurde nachgewiesen, dass Extrakte des Zunderschwamms effektiv gegen Candida albicans, einer Hefe, die Hautinfektionen auslöst, wirkt.

Die Ergebnisse dieser und anderer Experimente wurden in der ARD-Fernsehsendung [w] wie Wissen vom 07.10.2007 vorgestellt (www.daserste.de/wwiewissen).